BERICHT, VERNISSAGE AIR9, MARION RITZMANN


Die Vernissage der Künstlerin Marion Ritzmann im Atelier in Residence Obstgarten Gattikon vom letzten Dienstag war eine Kunstproduktion der besonderen Art, denn die Künstlerin hat als einzige bisher das Schaufenster im AiR als Bildträger verwendet. Sie nennt ihre Arbeiten denn auch „Projekt Schaufenster“. Christina Enderli-Fässler sah in ihrer Einführung die Nähe zu Werken der Schweizer Künstler Rudolf Mumprecht und Paul Stöckli aus den 50er und 60er Jahren und zum Amerikaner Cy Twombly, die Schrift und Bild auf kongeniale Weise zusammengebracht haben. „Orientation Field“, nennt die Künstlerin ihre im AiR entstandenen Werke. Sie können als Weiterentwicklung ihrer Zeichnungen gesehen werden. „Gattikon war zuerst auch ein Feld in dem ich mich orientieren durfte“, betont sie. Ihre kleinen bebilderte Dokumentation „Projekt Schaufenster AiR9“ zeigt nochmals die Fenstergestaltungen auf: Die Suche nach einem temporären WLAN-Anschluss, leider ohne Ergebnis; ein Fenster zur Durchsetzungsinitiative; als Schlusspunkt die Zeichnung „Orientation Field“. Zur anschliessenden Performance waren alle Gäste in den Keller geladen, dort ging es direkt von den Häppchen zu einem weiteren Kunstprojekt „Paper Bag/Transit documentation“. Wir alle tun es ab und zu wenn wir unterwegs und hungrig sind: Wir essen schnell eine Bretzel, ein Maisbrötli, eine Wähe und denken uns nichts dabei. Die Künstlerin Marion Ritzmann sammelt seit Beginn des Jahres 2015 die Papiertüten der von ihr konsumierten Transit-Verpflegung. 73 Tüten waren es bis zur Vernissage und alle Eintragungen las sie vor: Datum, Zeitpunkt, Ort und das Gegessene. „Die Tüten stehen metaphorisch für die zurückgelegten Strecken sowie als Dokumentationsmaterial von Lebenszeit“, erklärt sie. Das Vernissagepublikum lacht, schmunzelt, runzelt die Stirn ob der Auswahl und ein Gast macht sich Sorgen um die Gesundheit der Künstlerin. Die vorläufig letzten Eintragungen zum Werk lauten – wie könnte es anders sein - auf die Bäckerei Kölli im Obstgarten! Die Künstlerin ist auf Anfrage noch bis Ende April 2016 im AiR anzutreffen www.marionritzmann.com. Das AiR ist ein Projekt der Gruppe Kunst und Nachhaltigkeit der Vereine Kultur Thalwil und Oekopolis, es wird unterstützt von der Gemeinde Thalwil.