7. 3. 2015 Cultural Integration Brainstorming

Thalwil international: Start einer Integrationsinitiative Wie ist es bestellt mit der Integration der internationalen Bewohner von Thalwil? Um diese Frage zu beantworten wurde eine Initiative ins Leben gerufen, die mit einem ersten Treffen am 7. März diesen Jahres begann und fortgesetzt werden soll. Thalwiler Kulturschaffende, die Kulturbeauftragte Nadja von Ah sowie Vertreterinnen und Vertreter des Verein Kultur Thalwil hatten im Rahmen des monatlichen „Kulturstamm“ zu einem „Kulturellen Brainstorming“ in die Edo Bar des Sedartis Hotel eingeladen. Dank der Initiatorin des Treffens, Marisa König Beatty, waren unter den 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmern rund die Hälfte Ausländer, die Länder wie Australien, USA, Deutschland, Irland und Russland repräsentierten. Andere Thalwiler Einwohner aus Griechenland, Frankreich, Niederlande, Venezuela und Chile hatten ihr Interesse angemeldet, konnten aber nicht persönlich mit dabei sein. Ebenfalls anwesend waren Catherine Marrel als Mitglied des Gemeinderates sowie der Gemeindepräsident Märk Fankhauser. „Integration bedeutet wirtschaftliche, soziale und kulturelle Einbindung aller Gesellschaftsmitglieder mit dem Ziel zur Herstellung von Chancengleichheit. Um dies zu erreichen, bedarf es des Engagements der Migrantinnen und Migranten, der Offenheit der Aufnahmegesellschaft und der Mitwirkung aller wichtigen Partner der öffentlichen Hand und nicht-staatlicher Organisationen.“ (von der Homepage der Gemeinde Thalwil) Die meisten Diskussionen löste das Thema Sprache und Spracherwerb aus. Die Erkenntnis, dass eine Integration ohne deutsche Sprachkenntnisse ein schwieriges Unterfangen ist, sollte niemanden überraschen. Wie schwierig es jedoch für Ausländer ist, Deutsch zu lernen, wenn im Alltag kaum jemand Hochdeutsch spricht, wird dabei leicht vergessen. Eine Feststellung, die von einem Amerikaner getroffen wurde, der seit 20 Jahren in der Schweiz lebt. Rund 28 % macht die ausländische Bevölkerung in Thalwil aus. Wie die Gästeliste des Treffens zeigt, ist Englisch dabei keinesfalls für alle die Muttersprache. Doch ob als Erst- oder als Zweitsprache: das Englische ermöglicht am ehesten eine länderübergreifende Verständigung. Was jedoch kann die Gemeinde tun, um die Zuzügler besser zu integrieren? Für das kulturelle Brainstorming, das sich dieser Frage widmete, fanden sich fünf gemischte Gruppen zusammen und entwickelten einen Strauss an Vorschlägen, in deren Mittelpunkt wiederum die Sprache stand. So wurde beispielsweise der Vorschlag gemacht, Schweizerdeutsch-Kurse speziell für Ausländer anzubieten und dafür beispielsweise mit der Altersresidenz zusammen zu arbeiten. Ebenfalls als wichtig erachtet wurde allgemein die Idee, die wichtigsten Informationen rund um die Gemeinde auf Englisch und in anderen relevanten Fremdsprachen zur Verfügung zu stellen, ebenso wie Informationen zu Thalwiler und Schweizer Traditionen und Bräuchen. Einig war man sich schnell, dass der Ausgangspunkt für eine solche „Sprach-Offensive“ im Migrationsbüro der Gemeinde sein sollte. Konkretere Vorschläge widmeten sich einem Dinner-Rotations-Event auf privater Ebene sowie dem Angebot gemischter Exkursionen. Ob beim gemeinsamen Malen, Kochen, Gärtnern oder Kaffeetrinken: zahlreiche Aktivitäten wurden angeregt, die sich anbieten, die internationale Verständigung und das Interesse am kulturellen Austausch zu fördern. Gleich mehrere Gruppen brachten den Vorschlag ein, Patenschaften anzubieten: Thalwiler Einwohner sollen Zuzüglern mit Rat und Tat zur Seite stehen und so den Start in der Gemeinde und in der Schweiz erleichtern. Das Patenschaftsmodell hätte den Vorteil, dass man viele kleine Keime aussäen könnte für ein besseres Zusammenwachsen in der Gesellschaft. Nachdenklich stimmt dabei die Tatsache, dass es in der Ortsgemeinde Thalwil oder auch in den Kirchengemeinden bereits einige Angebote rund um die Integration gibt, diese jedoch nicht bekannt genug sind, um von einer breiten Bevölkerungsschicht bzw. den Zuzüglern selbst wahrgenommen zu werden. Hier tut Aufklärung not – denkbar wäre beispielsweise ein spezielles Informationsportal. Jetzt liegt es an den Organisatoren des Kulturellen Brainstormings und an der Gemeinde, die Anregungen aufzugreifen und in konkrete Projekte zu überführen. Eine wichtige Frage dabei wird sein, wie man integrative Angebote finanziert. Dass das Kulturbudget immer wieder Gegenstand von Kürzungsdiskussionen ist und die Kulturbeauftragte Nadja von Ah bereits mit einem reduzierten Pensum auskommen muss, ist in diesem Zusammenhang sicherlich nicht hilfreich. Das erste Treffen jedenfalls hat gezeigt, dass das Interesse an der Initiative gross ist. Sowohl langjährige Thalwiler Bürger als auch die ausländischen Zuzügler zeigen die Bereitschaft, sich persönlich zu engagieren. Dementsprechend wurde auch einmütig der Wunsch geäussert, den begonnenen Dialog rasch fortzusetzen. Das nächste Treffen findet am 18. April im Kulturlabor in der Gotthardstrasse statt: Alle Thalwiler Einwohner, egal welcher Herkunft, sind herzlich dazu eingeladen! Das Kulturelle Brainstorming wird fortgesetzt. Ansprechpartner sind Marisa Koenig Beatty mkonigbeatty@gmail.com sowie der Verein Kultur Thalwil (www.kulturthalwil.ch).
Bericht:
Susanne Popp