5. 3. 2016 - Marion Ritzmann, Künstlerin AiR9

Der gut besuchte März-Kulturstamm war einer Künstlerin gewidmet, die eingeladen wurde sich für drei Monate in ihrem künstlerischen Schaffen mit dem Thema Nachhaltigkeit, Gesellschaft und Strukturen in der Gemeinde Thalwil/Gattikon zu befassen. Marion Ritzmann arbeitet vom 1. Februar 2016 bis 30. April 2016 im Atelier in Residence AiR9 im Obstgarten Gattikon. Auf diesem Areal wird zur Zeit gebaut. Die AXA als Eigentümerin des Ateliers hat deshalb die Zwischennutzung für die AiR bis April 2017 verlängert. Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, dass sich die Gruppe Kunst und Nachhaltigkeit KUNA der Vereine Kultur Thalwil und Oekopolis in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Thalwil an der Ausschreibung für Kunst am Bau beteiligen darf. Der Obstgarten feiert nämlich im nächsten Jahr sein 40. Jubiläum!
Christina Enderli-Fässler, Projektleiterin AiR, stellte in einer ersten Runde die Künstlerin vor und danach durfte das Publikum Fragen stellen. Marion Ritzmann, geboren 1978, stammt aus Schaffhausen, was man ihrem Dialekt gut anhört. Sie lebt und arbeitet in Zürich und Basel. Seit 2013 studiert sie an der Zürcher Hochschule für Künste Master of Fine Arts. Ihre Abschlussarbeit wird sie im AiR beenden. „Ich denke mit und in Systemen“, beschreibt sie ihren künstlerischen Ansatz. Ihr Arbeitsspektrum beinhaltet die Sparten Zeichnung, Installation und Performance. Das AiR in Gattikon findet sie als Ort spannend. Es sei einmal etwas anderes als ein Atelier-Aufenthalt in einer Metropole meint sie und: „Das Unbekannte kann man nicht umgehen, besser ist es, sich darauf einzulassen als davon zu rennen. Man kann nicht voraussehen, was passiert. Man setzt sich aus im Schaufenster der Einfluss ist spürbar.“ Als Einstiegsritual reinigte sie zuallererst das Atelier gründlich und genüsslich. „Ich mache das immer so, ich schaffe mir damit mein Hüsli!“ gesteht sie lachend. Ihre erste Interaktion war der Aushang von Abstimmungsplakaten zur Durchsetzungsinitiative gestaltet von Kunstschaffenden. Als bei der Gemeinde eine Reklamation deswegen einging, entfernte sie diese und gestaltete das Fenster mit einer personifizierten Aussage zum gleichen Thema.
Zur Frage aus dem Publikum ob es überhaupt noch etwas Neues in der Kunst gebe meint sie: „Es gibt Varianten durch neue Herangehensweisen, zeitliche Ereignisse können einfliessen, so entsteht Neues und Einzigartiges.“ Zu Fragen nach der Kunstbetrachtung und wohin sie führt, meint die Künstlerin: „Kunstbetrachtung ist primär subjektiv. Man erlebt seltene Momente sinnlicher Freude. Wohin das führt, kann ich nicht beantworten.“ Wie sie systemischen Gedanken und Vorgehensweisen in ihrer Kunst erkläre, beschreibt sie mit dem Beispiel ihrer „Zeichenmaschine“: „Ein Arm führt ein Bleistift, ein zweiter einen Radiergummi, beide sind gleich programmiert. Zuerst sieht man den Strich, danach folgt der Radiergummi. Der Strich wird nicht ganz gelöscht, eine Spur ist geblieben, das komplexe Systemische wird erkennbar. Meine Zeichnungen sind Regelwerke durch Worte und Zeichen.“ Die Künstlerin zeigt Werke aus ihrem Schaffen an der Vernissage im AiR vom 12. April ab 18 Uhr im Obstgarten Gattikon.